Karenz:


(ein Landytreffen
im August 2004)
Funken stieben unter dem Sankey hervor, die Deichsel klopft kleine Löcher in den Asphalt. Sekunden später stoppt ein aufstrebender Alleebaum die freie Fahrt des Anhängers. Auf wundersame Weise hatte sich die Kupplung gelöst, Ergebnis ist ein verzogener Rahmen, eine kaputte Blattfeder und eine abgerissene Stromversorgung.
So etwas, wurde mir erklärt, kann schon mal auf einem Landytreffen passieren. Direkt hinter dem “Unfallfahrzeug” fahrend, denke ich sorgenvoll an den ganzen Hausstand, der auf der Ladefläche hinter uns liegt, schließlich soll der 109er für das Wochenende unser Zuhause sein…
Die Landesgruppen Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern hatten für das Wochenende 20. 22.08.2004 zu einem Treffen in das Offroadcamp Karenz geladen.
Ein Großteil der insgesamt 36 Fahrzeuge reiste bereits am Freitag an. Nach der Ankunft kam es zu einer erstaunlichen Mischung aus Grillvorbereitung und Sankeyreparatur. Kurzgefasstes Ergebnis: Alle waren satt und der Anhänger wieder fahrbereit. Aus meiner vom Segeln eher kleinstgruppengeprägten Sichtweise ein erstaunliches Erlebnis, alle machten irgendetwas und waren am Ende auch wirklich zufrieden. Dies äußerte sich letztlich auch in einer längeren und größeren Runde am Lagerfeuer, die nicht wirklich alle am Morgen darauf wach aussehen ließ.
Die LG SH hatte zunächst für den Sonnabend einen Nachttrial geplant, welcher jedoch an behördlichen Auflagen scheiterte. Ersetzt wurde dieser dann durch ein freies Fahren auf dem Gelände des Camps und für zwei Teilnehmer, mich eingeschlossen, eine Geländefahrschule. Alle fühlten sich in dem Gelände wohl, aus laienhafter Sicht schier undurchfahrbare Strecken verzückten auch die alten Hasen. Insbesondere ein sehr lang geratener Landy mit der Aufschrift Borgward ließ es sich in einer Sandkuhle gut gehen.
Ich möchte Jens an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Einführung danken. Ohne ihn hätte ich viele Dinge gar nicht sehen können. Gleichzeitig hat mich seine ruhige Art der Erklärung und auch seine Fahrweise fasziniert. Schnell war klar, dass es mir die meiste Gewöhnung abverlangt, von irgendwelchen Sandhaufen, Geröllhügeln oder Festungsmauern herunterzufahren, was Jens dann auch besonders häufig zeigte.. Wo ist das Problem? 2.Gang und los, kann doch nix passieren” Nun ja… We will see.
Ein feuerroter 130er kam mit einigen Blessuren aus dem Gelände zurück. Er war unglücklich gegen einen Betonpfahl gerutscht. Statt aber entsetzt über das beschädigte Türscharnier und die große Beule in dem sonst makellosen Outfit zu sein, zeigte sich eher eine gewisse Befriedigung über eine im Gelände erhaltene Narbe. Da muss ich wirklich noch dazulernen.
Weiteres Highlight des Tages war das freie Fahren in einer Kiesgrube, welche dem Besitzer des Camps geöffnet worden war. Die Suche nach einer Vertretung für die Anmeldung im Camp verlief zunächst eher zäh. Es traf sich aber dann doch um 14.00 h ein Konvoi von gar nicht mehr überschaubarer Länge. Schon die Fahrt zu der Grube an sich war ein Genuss. Die Strecke führte durch winzige abgelegene Waldwege, sie wäre zwar auch für meinen Panda keine Herausforderung gewesen, ließ aber deutlich erkennen, wo Landys eigentlich hingehören. Das Bild war toll, eine ewige Schlange von Fahrzeugen, gelegentlich durch Bäume verdeckt, manchmal das deutliche Tackern der Diesel zu hören.
Die Kiesgrube bot für jeden seine persönlicheHerausforderung. Der lange”Borgward Landy” musste gleich mit zwei Wagen aus dem Sand geholt werden, ein anderer Enthusiast nahm ein Wasserloch zum Anlass, seinen Motorraum mit den durchdrehenden Vorderrädern einmal mit einer richtigen Sandkruste zu überziehen, ich selbst konnte plötzlich aus meiner Beifahrertür in ein beachtliches Tal blicken, während der Wagen sich statt nach oben eher quer und mit zunehmender Krängung bewegte. Hinter uns soll man gesagt haben, dass das gar nicht gut aussah, also der Weg schräg nach oben, links ein geparkter Wagen und rechts das besagte Tal. Aber Jens hat seinen Kutter da prächtig herausgepult.
Sätze wie “Geht nicht” oder “Lass mich da mal durchfahren” zeigen ja eine ganz besondere Wirkung auf die Clubmitglieder. Zum Höhepunkt entwickelte sich entsprechend ein eher schlicht anmutender Sandhaufen, der sich aber dennoch nicht erfahren ließ. Kurz vor dem Gipfel war der Halt weg. Es ergab sich eine Art Wettbewerb zwischen einem Landy, einem Mereedes und einem Toyota. Dahinstehen soll, welche Marke am Ende oben angekommen ist, auf jeden Fall hat der Fahrer eine sehr lange Landyerfahrung und wurde auch gebührend gefeiert.
Wieder im Camp angekommen konnte ich lernen, dass man auch bei strömendem Regen hervorragend Grillen kann. Hier stieß dann Julia zu uns, die sich nach Teilnahme an mehreren Treffen und damit verbundenen Erkältungen nun doch zu einer Mitgliedschaft entschied. Kurios an der Berechnung ihrer Standgebühr für eine Übernachtung war der Ansatz für die Geländenutzung durch ihren Opel Corsa. Die herrschende Meinung war, dass dieser für das Gelände nicht geeignet war und sie dringend von einer Nutzung absehen sollte.
Die Runde am Lagerfeuer gestaltete sich, niemand wollte es auf die vorherige Nacht schieben, etwas
kürzer.
Am Sonntag ging es noch einmal in das Gelände des Camps. Neben den klassischen Attraktionen ist besonders eine Waldstrecke zu empfehlen. Nach einer fiesen Verschränkungsstrecke geht es auf idyllischen (und für einen 109er viel zu engen) Wegen durch einen kleinen Wald. Die Wahl besteht zwischen recht gut befahrbaren Wegen und auch den O-Ton Jens: “kleineren Wegen”, die einen ganz erheblichen Manövriereinsatz erfordern. Auch in diesem Wald konnte ich abermals Neues lernen. Was gemeinhin als Ast bzw. Baum durchgeht, ist für einen Landyfahrer lediglich ein Zweig, der keine weitere Beachtung erfordert. Vom Fahrrad aus hätte mich das Teil ohne Weiteres geköpft, denke ich.
Hatte ich schon erwähnt, dass viel gegrillt wurde? Mittags mussten auf jeden Fall die Reste weg, und dabei wollte ich doch gerade etwas gesünder leben…
Eine tolle Erfahrung war dieses Wochenende. Abgesehen von der kleinen Beule durch den Baum, der in den Weg gesprungen war, hatte unser Zuhause doch keinen Schaden genommen, alle waren zufrieden, ich habe viel gelernt und gesehen und bin neugierig auf weitere Erfahrungen.




